Fürchten Sie sich vor künstlicher Intelligenz? Fünf Ratschläge für Führungskräfte

Führungskräfte haben sowohl hohe Erwartungen als auch erhebliche Bedenken in Bezug auf künstliche Intelligenz. Nachstehend werden fünf gute Ratschläge erteilt, wie Führungskräfte aus der Mensch-Maschine-Interaktion optimale Ergebnisse erzielen können.

Vegard Kolbjørnsrud
Postdoktorand – Institut für Strategie und Unternehmensgründung


Werkzeuge für Führungskräfte: Künstliche Intelligenz

Kurz erklärt bezeichnet man Datenprogramme, die ihre Umgebung wahrnehmen,  Datenzusammenhänge erkennen, aus Erfahrung handeln und lernen können, als künstliche Intelligenz. Führungskräfte weltweit hegen große Erwartungen daran, fürchten aber auch mögliche Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf ihre eigene Tätigkeiten.

Norwegische Führungskräfte sind weltweit am skeptischsten, und besitzen auch das geringste Wissen über künstliche Intelligenz; dies infolge einer Untersuchung über die Anwendung künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz, die der Postdoktorand Vegard Kolbjørnsrud an der BI Norwegian Business School unter 1770 Führungskräften auf allen Leitungsebenen durchgeführt hat.

Das befragte Führungspersonal stammt aus 14 Ländern in drei Kontinenten. Kolbjørnsrud hat die Untersuchung zusammen mit Richard Amico und Robert J. Thomas am „Accenture Institute for High Performance“ durchgeführt.

Künstliche Intelligenz stellt nicht unbedingt eine Bedrohung für die Führungskräfte dar. Dem BI-Forscher zufolge könnte sie dazu beitragen, die Arbeit der Führungskräfte interessanter zu gestalten.

Die Untersuchung hat erwiesen, dass Führungskräfte mehr als die Hälfte ihrer Zeit mit administrativen Aufgaben verbringen; Aufgaben, die in Zukunft von intelligenten Maschinen für sie erledigt werden können.

Laut Kolbjørnsrud könnte das bedeuten, daβ Aufgaben, in denen Beurteilungsvermögen, Kreativität und soziale Kompetenzen gefragt sind, immer wichtiger werden. Intelligente Systeme werden auch in diesem Bereich eine wichtige Rolle spielen, jedoch vorwiegend als unterstützende und korrigierende Kapazitäten und als Sparringspartner. Eine Vollautomatisierung käme hingegen nur in einem geringeren Grad zum Tragen.

Auf dem Hintergrund dieser Studie hat Vegard Kolbjørnsrud fünf Ratschläge für die Optimalisierung der Mensch-Maschine-Interaktion konzipiert. Diese könnten dazu beitragen, die Skepsis norwegischer Führungskräfte gegenüber künstlicher Intelligenz zu mindern.

1) Jetzt erforschen – gemeinsam

Wir sind unterwegs in eine Zukunft, in der die Interaktion zwischen Führungskräften und intelligenten Maschinen im Vordergrund stehen wird. Es gibt noch keinen akkuraten Kompass, der uns zuverlässig durch dieses unbekannte Gelände führen könnte. Deshalb müssen Führungskräfte und Unternehmen den Forschungsauftrag annehmen, mit der künstlichen Intelligenz zu experimentieren, schnell daraus zu lernen, neue Erkenntnisse zu machen und diese durch verbesserte Praxis und neue Experimente schnell anzuwenden.

Um ihre Skepsis überwinden zu können sollte man Frontline-Führungskräfte bei frühen Experimenten und anschlieβender Hochskalierung mit einbeziehen, damit sie Wissen über künstliche Intelligenz erwerben und sich auβerdem am erforderlichen Training von intelligenten Maschinen beteiligen. Sowohl Menschen als auch Maschinen müssen lernen – gemeinsam. Führungskräfte in der übrigen Welt, besonders in den neuen, expandierenden Wirtschaftsgebieten, sind offener gegenüber der Anwendung von künstlicher Intelligenz als ihre nordischen Kollegen. Es liegt also an den norwegischen und nordischen Führungskräften, ob sie diese Herausforderung annehmen.

2) Administrative Aufgaben den Maschinen überlassen

Führungskräfte widmen administrativen Aufgaben mehr als die Hälfte ihrer Zeit; Aufgaben, die intelligente Maschinen in Zukunft für sie erledigen können. Künstliche Intelligenz eignet sich besonders gut zur Ausführung von Routinearbeit mit großen Informationsmengen - typisch für administrative Koordinierungs- und Kontrollaufgaben.

Führungskräfte wünschen und hoffen, dass intelligente Systeme ihnen gerade in diesen Aufgabenbereichen zur Hand gehen können. Was sich automatisieren lässt, sollte automatisiert werden.

3) Beurteilungsvermögen, Kreativität und gemeinschaftliches Handeln stehen im Vordergrund

Viele Entscheidungen benötigen eine Einsicht, die von intelligenten Systemen nicht allein aus der Datenmenge heraus abgeleitet werden können. Bei kritischen Unternehmensentscheidungen und in der Geschäftspraxis wenden Führungskräfte nicht nur ihr Wissen über die Geschichte und Kultur der Organisation an, sondern auch Empathie und kritische Überlegungen, d.h. das   Beurteilungsvermögen.

Selbst wenn eine Aufgabe maschinell lösbar ist, lässt die Verantwortung sich nicht automatisieren. Künstliche Intelligenz führt viele neue ethische Problemstellungen mit sich, u.a. in Bezug auf den Datenschutz.

Wenn Routineaufgaben automatisiert werden, sind noch die kreativen und komplexen Aufgaben zu bewältigen. Das kreative Talent jeder Führungskraft ist zwar von Bedeutung, wichtiger ist jedoch ihre Fähigkeit die Kreativität bei anderen Menschen freizusetzen.

Die nächste Generation Führungskräfte braucht gute soziale Kompetenzen um innerhalb und außerhalb der Organisation ein effizientes, gemeinschaftliches Handeln zu fördern. Auf der Grundlage von vielen Gesichtspunkten, Auffassungen und Erfahrungen kann man neue Ideen auffangen, komplexe Probleme lösen und gemeinschaftliches Beurteilungsvermögen mobilisieren.

In dieser Hinsicht haben norwegische und nordische Führungskräfte womöglich einen Vorsprung weil sie, im Gegensatz zu ihren internationalen Kollegen, es gewohnt sind, zwischenmenschliches Handeln zu fördern.

4) Entwicklung neuer Strategien zur Personalbeschaffung und Ausbildung

Wenn die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine geändert wird, sollten Unternehmen die Prioritäten so setzen, daβ menschliche Arbeitskraft dort eingesetzt wird, wo ihre Vorzüge offenbar sind.

Die Karriere vieler Führungskräfte beruht auf ihrer administrativen Tüchtigkeit, aber wenn die  Maschinen besser Ordnung halten können als wir Menschen, ist diese Karrierelaufbahn nicht mehr anzuraten.   

Deshalb müssen die Unternehmen die Personalbeschaffung und Entwicklung von Führungskräften umstellen und Beurteilungsvermögen, Kreativität, soziale Intelligenz und digitale Kompetenzen mehr betonen, um die clevere Mensch-Maschine-Interaktion zu sichern. Die technologische Entwicklung schreitet rasch voran; die Umstellung und Entwicklung von Menschen und Organisationen wird länger dauern. Es gibt keine Zeit zu verlieren.

5) Schaffung einer intelligenten Tätigkeit

Künstliche Intelligenz ermöglicht die kostenreduzierende Automatisierung routinemäβiger Arbeit und die Verstärkung der Wertschöpfung menschlicher Fähigkeiten. Das höchste Wertschöpfungspotenzial liegt darin, die Menschen an erste Stelle zu setzen und ihre Kompetenzen und Leistungsfähigkeit zu fördern.

Das Automatisieren der Administration ist wichtig, hauptsächlich um die kostbare Zeit des Führungspersonals für wertschöpfende Tätigkeiten freizumachen. Das Entstehen von künstlicher Intelligenz in Verbindung mit der Umlegung zu neuen, mehr kooperativen Organisationsformen, bereitet den Boden für intelligentere Unternehmen, in denen intelligente Menschen und intelligente Maschinen auf intelligente Art und Weise miteinander arbeiten.

Intelligenz zeichnet sich vor allem durch die Lernfähigkeit aus. Lasst uns deshalb den Anlauf nehmen, damit der Lernprozess von Menschen und Maschinen gleichermaβen beginnen kann.

 

Quellenhinweis:
Der Text ist ein überarbeiteter Auszug aus Vegard Kolbjørnsruds Artikel „Kunstig intelligens og lederens nye jobb“ (Künstliche Intelligenz und neue Aufgabenstellungen für das Führungspersonal), erschienen in Magma Nr. 6, 2017

Kolbjørnsrud, V, Amico, R, Thomas, RJ (2016) "How Artificial Intelligence Will Redefine Management," Harvard Business Review, Nov 2. Original article | Audio book on iTunes | Video

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